Labics, Rom

Open

Ausstellung
4. Juli – 18. Juli 2026 

Eröffnung
Freitag, 3. Juli 2026, 18:30 

Zur Eröffnung sprechen
Hans-Jürgen Commerell & Dan Dorocic, Aedes, Berlin
Maria Claudia Clemente & Francesco Isidori,
Labics, Rom


Ort
Aedes
Christinenstr. 18–19
10119 Berlin

Öffnungszeiten
Mo 13:00–17:00
Di–Fr 11:00–18:30
Sonn- und Feiertag 13:00–17:00

> Pressematerial

 

Aedes Kooperationspartner

 

powered by BauNetz

In der Architektur ging es schon immer darum, Grenzen zu definieren und zu konstruieren: zwischen Außen und Innen, öffentlich und privat, natürlich und künstlich. Die Form, die diese Grenzen annehmen, spiegelt klimatische, soziale, politische und kulturelle Kontexte wider. Genau wie in der Physik wirft die Grenze die Frage nach ihrer Ausdehnung auf; ebenso stellt die Grenze in der Architektur die Frage nach ihrer Dimension: Sie kann eine zweidimensionale Fläche sein oder durch Verdichtung zu einem dreidimensionalen Raum werden. Dies spiegelt sich direkt in Open wider, präsentiert von Labics – dem in Rom ansässigen Büro und AW-Architekten des Jahres 2026 –, das diese Fragen anhand einer Installation aus Portiken unterschiedlicher Formate untersucht, die sich zwischen Innen und Außen bewegen und so einen hybriden, erlebnisorientierten Raum schaffen. Die Ausstellung betrachtet Grenzen nicht als Barrieren, sondern als einladende, verbindende Räume – die zwischen Stadt und Architektur vermitteln und soziale Interaktion fördern. Sie plädiert dafür, die Rolle der Architektur bei der Gestaltung des öffentlichen Raums und des kollektiven Lebens wiederherzustellen.


Zentralpavillon in den Giardini der Biennale von Venedig, IT © Marco Cappelletti Studio, Courtesy La Biennale di Venezia-MiC

In der Architekturgeschichte und selbst heute noch ist die Definition einer Grenze weit verbreitet und drückt sich in verschiedenen Formen und Geometrien aus. Fälle, in denen sich die Dimension der Grenzlinie so weit ausdehnt und erweitert, dass ihr Bild fast verschwimmt und ihre Form sich öffnet, sind weitaus seltener. Die Transformation einer zweidimensionalen Begrenzung in eine dreidimensionale, unabhängig von Geometrie oder Beschaffenheit, bewirkt eine grundlegende Verschiebung in der Definition von Architektur, verbunden mit der Öffnung der Form. Diese wandelt sich dadurch von einem in sich geschlossenen Objekt in eine offene und durchquerbare Struktur, die durch die Ausdehnung ihrer Begrenzung mit dem Raum außerhalb ihrer selbst verschmilzt.

Diese Verlagerung der Bedeutung impliziert auch eine Veränderung des Begriffs der Grenze selbst: Wenn die Grenze bewohnbar wird, ist sie keine trennende Barriere mehr, sondern ein einladender Raum. Ist die Grenzlinie offen und durchlässig wird, wird sie zu einem Ort, der unterschiedliche Zustände miteinander verbindet – Außen und Innen, Öffentliches und Privates, Natürliches und Künstliches. Wenn die Grenze Leben zulassen kann, hört sie auf zu trennen und vermittelt stattdessen zwischen Architektur und der Welt.


Labics © Urban Zintel | Visionair, Milan, IT © Marco Cappelletti, Courtesy Labics

DIE AUSSTELLUNG

Bei Aedes nehmen diese Überlegungen räumliche Gestalt an: Eine Reihe von Portiken unterschiedlicher Breite durchzieht den Ausstellungsraum und führt vom Innenbereich nach draußen und umgekehrt. Das Ergebnis ist ein hybrider Raum, der sich zwischen Natur und Künstlichkeit, Öffentlichkeit und Privatsphäre, Kollektiv und Individuum bewegt; ein Raum, der erlebt und durchschritten werden will, aber auch zum Innehalten und Nachdenken einlädt. Die Ausstellung fragt, was Architektur leisten kann, wenn Grenzen nicht als Trennlinien, sondern als Orte der Begegnung verstanden werden – als Orte, die zwischen Stadt und Individuum vermitteln und der Architektur ihre Rolle bei der Gestaltung des kollektiven Lebens zurückgeben. Die Grenze wird zu einem Instrument, das Interaktionen zwischen Menschen und der gesellschaftlichen Dynamik einer Stadt schaffen und beeinflussen kann; zu einer Struktur, die aufgrund dieser besonderen Stellung den Bereich des öffentlichen Raums bereichert. Labics hält es für dringend notwendig, der Architektur ihre rechtmäßige Rolle bei der Gestaltung der Stadt und des öffentlichen Raums, dem Herzen der Civitas, zurückzugeben, insbesondere in einem historischen Moment wie dem gegenwärtigen, in dem die individuellen Bereiche gegenüber dem Kollektiven vorzuherrschen scheinen.


Palazzo dei Diamanti, Ferrara, IT © Marco Cappelletti, Courtesy Labics

ÜBER DIE AUSSTELLUNG

Die bei Aedes ausgestellte Installation ist eine große, filigrane Struktur aus schwarzem Holz, die wie eine Loggia wirkt – ein Durchgang, durch den man sich bewegen kann. Sie basiert auf Labics’ Recherchen zu italienischen Piazzas und Grenzräumen. Die Struktur schlängelt sich durch die Galerie und den Innenhof, lässt die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen und verbirgt und enthüllt abwechselnd Orte, an denen man sitzen, innehalten und sich inmitten von Pflanzen und Büchern wiederfinden kann.

ÜBER LABICS

Labics ist ein Architektur- und Städtplanungsbüro, das 2002 in Rom von Maria Claudia Clemente und Francesco Isidori gegründet wurde. Zu den wichtigsten realisierten Projekten zählen die MAST Foundation in Bologna, der Komplex Città del Sole und das Universitätsgebäude CuBo in Rom, die Piazza Fontana in Rozzano, der Kindergarten Jacaranda in Mailand sowie die Restaurierung des Palazzo dei Diamanti in Ferrara. 2026 wurde die Neugestaltung des Zentralpavillons der Biennale von Venedig abgeschlossen.

Derzeit befinden sich unter anderem der Wohnkomplex Uptown in Mailand, die Restaurierung eines Blocks innerhalb der Crypta Balbi in Rom, die Archäologische Promenade der Kaiserforen sowie die Überdachung einer Thermenanlage in Capo di Bove im Bau. 2021 gewann Labics den Wettbewerb für den neuen Arenaboden des Colosseums.

Labics stellte seine Arbeiten mehrfach aus, darunter auf der 11., 12. und 14. Architekturbiennale in Venedig, und veröffentlichte die Bücher Structures (Park Books, 2018), eine Reflexion über das Verhältnis von Struktur und Architektur, sowie The Architecture of Public Space (Park Books, 2023) über Theorie und Strategien der Gestaltung öffentlicher Räume.


AW Architekt des Jahres 2026

Seit 2012 verleiht AW Architektur & Wohnen den Preis AW Architekt des Jahres an herausragende Architekt:innen, die durch originelle Konzepte und visionäre Gestaltungsideen neue Impulse für Architektur, Stadt und Menschen setzen. Im Jahr 2026 sind die Preisträger Maria Claudia Clemente und Francesco Isidori, die Gründer:innen von Labics. 

„Mit ihren innovativen, forschungsbasierten Entwürfen definieren Maria Claudia Clemente und Francesco Isidori die Grenzen zwischen Architektur, öffentlichen Räumen und Gesellschaft neu. Labics betrachtet Architektur in allen Maßstäben und vertritt klar die Haltung, dass jedes Gebäude Teil einer entwicklungsfähigen Struktur ist, die offen und zugänglich sein muss. Sie verbinden präzise berechnete geometrische Muster mit sorgfältig ausgewählten, zeitgenössischen Materialien und höchster technischer Präzision. Gleichzeitig gelingt es ihnen, mit größtem Respekt vor dem Bestehenden wahre Schönheit zu schaffen“, lobt Karen Hartwig, Chefredakteurin von AW Architektur & Wohnen. „Labics gestaltet somit nicht nur Gebäude und öffentliche Räume, sondern engagiert sich intensiv für die Erhaltung und Förderung des kulturellen Erbes Europas. Für diese vorbildliche Haltung ehren wir Maria Claudia Clemente und Francesco Isidori als AW Architekten des Jahres 2026.“

AW Architektur & Wohnen mit Sitz in Hamburg ist eines der führenden Magazine für Architektur, Design, Wohnen, Gartengestaltung und Reisen in Deutschland. Seit 69 Jahren beteiligt sich das Magazin aktiv am kulturellen Diskurs und setzt sich für höchste Qualität in Architektur, Innenarchitektur und Produktdesign ein.

Mit der Auszeichnung AW Architekt des Jahres ehrt die Redaktion Architekt:innen, die durch individuelle Konzepte und kreative Gestaltungsideen neue Impulse für Architektur und Städte setzen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen MVRDV, BIG und gmp sowie die Büros Dorte Mandrup, Snøhetta, Kéré Architecture, Tatiana Bilbao Estudio, Sou Fujimoto, Christoph Ingenhoven und Jeanne Gang, die anlässlich der Preisverleihung bei Aedes in Berlin ausgestellt wurden.

Ein Ausstellungskatalog von Aedes erscheint begleitend zur Ausstellung.


Labics © Urban Zintel