Mad About Dugnad – Gemeinsam arbeiten, besser bauen

WoHo Berlin und drei weitere Projekte von Mad arkitekter, Norway

Ausstellung
22. Januar – 10. März 2022

Eröffnung
Freitag, 21. Januar 2022, 18.30 Uhr
Teilnahme nur mit Impf- oder Genesenennachweis sowie negativem Testergebnis (2G-Plus-Regelung) und nach Anmeldung hier.

Es sprechen

Hans-Jürgen Commerell Aedes, Berlin
S. E. Petter Ølberg Botschafter von Norwegen in Deutschland, Berlin
Jonny Klokk
Mad arkitekter, Oslo

Ausstellungsort
Aedes Architecture Forum
Christinenstr. 18-19
10119 Berlin

Öffnungszeiten

Di–Fr 11–18.30 Uhr
So–Mo 13–17 Uhr
Sa, 22. Januar 2022, 13–17 Uhr

 

Aedes Kooperationspartner

 

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Die norwegische Tradition des „dugnad“ ermutigt jede und jeden zu einem gemeinsamen Ziel beizutragen. Sie beruht auf sozialen Beziehungen und gemeinschaftlicher Solidarität – also auf der Überzeugung, dass man zusammen stärker ist als allein. Für das Architekturbüro Mad ist „dugnad“ der Schlüssel für die Entwicklung nachhaltiger Zukunftslösungen in einer zunehmend komplexeren Welt mit immer drängenderen Herausforderungen. Architektur bedeutet für Mad insbesondere auch, die sozialen und kulturellen Ressourcen, die unsere gebaute Umwelt prägen, neu zu bewerten, zu fördern oder zu erhalten. Diese Aspekte lassen sich exemplarisch an den vier Projekten aufzeigen, die für die Ausstellung bei Aedes ausgewählt wurden – darunter das derzeit in Planung befindliche Holzhochhaus WoHo in Berlin-Kreuzberg, das als städtebauliches und soziales Pilotprojekt gilt.

Dugnad

Das norwegische Wort „dugnad“ bezeichnet ein Bündeln der Kräfte zur gegenseitigen Unterstützung und die Zusammenarbeit zugunsten eines gemeinsamen Ziels zum Wohl der Allgemeinheit. Dabei bringen die Beteiligten das ein, was sie im Rahmen der eigenen Möglichkeiten beitragen können – Zeit, Einsatz, Wissen, Fähigkeiten, Geld, geteiltes Risiko usw. Diese norwegische Tradition geht auf das 14. Jahrhundert zurück, als ländliche Gemeinschaften sich für gemeinsame Bauvorhaben zusammenschlossen. Nach Fertigstellung des Projekts belohnten sich die Menschen für die geleistete Arbeit mit einem Festmahl. Bis heute besteht das „dugnad“-Erbe in Norwegen als eine Form der gegenseitigen Unterstützung in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft fort. So wurde beispielsweise seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie der kollektive Kampf gegen das Virus immer wieder mit „dugnad“ in Verbindung gebracht.

Mad arkitekter

Für Mad ist die Essenz des „dugnad“ – die Kraft der Positivität, der Kreativität und des Miteinanders – wesentlich, um zu den Lösungen zu gelangen, die es für eine nachhaltige Zukunft braucht. Architekt und Partner Jonny Klokk erklärt: „Wir vertrauen auf kollaborative Prozesse und Mitwirkung auf allen Ebenen und wir glauben, dass wir als Architekt:innen und Privatpersonen die Pflicht haben, uns am gemeinschaftlichen ‚dugnad‘ zu beteiligen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, in der Mensch und Natur gedeihen können.“

Mad arkitekter – mit Hauptsitz in Oslo und Büros in vier norwegischen Städten – arbeitet an der Schnittstelle zwischen den Menschen und ihrer Umwelt. Das über 100 Personen umfassende interdisziplinäre Team entwirft Möbel, Gebäude und Stadtquartiere, wobei es immer darum geht, das Leben zu erhalten, zu fördern und zu entwickeln. Die Mitarbeiter:innen sind sich ihrer Verantwortung als Architekten und Designer bewusst und hinterfragen stetig ihre eigene Arbeit, um zu einem umfassenderen Verständnis der Komplexität unserer heutigen Welt zu gelangen und Lösungen zu finden, die dem Klimawandel und den gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir aktuell konfrontiert sind, besser gerecht werden.


Das Mad arkitekter-Team auf Studienreise in Berlin. © Simon Øien

Folgende Projekte werden in der Ausstellung vorgestellt:

Kristian August Gate 13 in Tullinløkka in Oslo ist ein bahnbrechendes Umnutzungsprojekt, das im Oktober 2020 fertiggestellt wurde. Das Bürogebäude aus den 1950er-Jahren war vom Abriss bedroht und ist heute ein Beispiel für eine gelungene Revitalisierung, bei der 70 Prozent der für die Sanierung und die neuen Baukörper benötigten Materialien wiederverwendet wurden. Das Projekt wurde vielfach ausgezeichnet und wird oft als Beispiel für eine erfolgreiche Nachnutzung genannt. Es ist für den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2022 nominiert.


„Kristian August Gate 13“ in Oslo. © Kyrre Sundal

2019 gewann Mad arkitekter mit seinem Beitrag Recipe for Future Living im Osloer Stadtteil Stovner den internationalen Wettbewerb Reinventing Cities. Die Initiative Reinventing Cities hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige Entwicklung zu fördern und innovative Lösungen für ökologische und städtebauliche Herausforderungen zu würdigen. 14 Städte aus der ganzen Welt beteiligten sich mit städtebaulichen Entwicklungsgebieten. Der Entwurf stützt sich ausschließlich auf Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Ressourcennutzung und Wiederverwendung. Das Konzept ist auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt und zielt auf eine Aufwertung und Stärkung des Quartiers ab. Aktuell wird Recipe for Future Living von den Baubehörden entwickelt und bearbeitet.


„Reinventing Cities – Recipe for Future Living“ in Oslo. © Imigo

Festiviteten in Larvik, südlich von Oslo, wurde 1874 als Versammlungsort eingeweiht. Im Laufe der Jahre diente das Gebäude als Rathaus, Gerichtssaal und Ort für zahlreiche Kulturveranstaltungen. Der Festsaal ist der drittälteste Theatersaal Norwegens. Jahrzehntelang verfiel das Gebäude, wurde dann aber nach beeindruckenden Restaurierungsarbeiten anlässlich des 350-jährigen Stadtjubiläums 2021 wiedereröffnet. Festiviteten ist ein Umnutzungsprojekt, das in der Art, wie es dem Gebäude und der Innenstadt von Larvik neues Leben einhaucht, ausgeprägte soziale Aspekte aufweist.


„Festiviteten“ in Larvik, Norwegen. © Firat Aysim

WoHo Berlin ist anders als herkömmliche Hochhäuser. Mad arkitekter gewann 2021 den Wettbewerb für den Entwurf des Mehrzweck-Wohnhochhauses im Berliner Innenstadtbezirk Kreuzberg. Dank der Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs Holz wird der CO2-Fußabdruck des Gebäudes deutlich reduziert. Zudem zeichnet sich das Projekt durch ein starkes soziales Profil aus – das Konzept greift einen typischen Kreuzberger Kiez auf und stapelt ihn vertikal. Bei der Konzeption des WoHo Berlin standen die Bedürfnisse der Bewohner:innen, Nutzer:innen und Nachbar:innen im Mittelpunkt.


„WoHo Berlin“. © Donatas Grinius / Mad arkitekter

In der Ausstellung Mad About Dugnad werden diese vier Bauten von Mad arkitekter vorgestellt, die jeweils unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Nachhaltigkeit in Architektur und Gestaltung zeigen, darunter Strategien für die nachhaltige strukturelle Erneuerung und Revitalisierung. Ein Sitzbereich in der Mitte des Ausstellungsraums lädt die Besucher:innen ein, zusammenzukommen und bietet ihnen einen Überblick über die ausgestellten Projekte. Die an den Wänden und auf Sockeln platzierten Modelle, Pläne, Artefakte und Texte gehen nicht nur auf formale Aspekte ein, sondern geben auch einen Einblick in den Arbeitsprozess und damit in Mads Herangehensweise an große und kleine Projekte. „Wir teilen durch diese Ausstellung unsere Methoden und Projekte als Beitrag zum ‚dugnad‘ für eine nachhaltige Zukunft und hoffen, dass wir dazu anregen können, gemeinsam für eine nachhaltigere Baubranche einzutreten und die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, so Jonny Klokk.

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