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Schöne neue Einkaufswelt

Frankfurt a. M.
Shopping als wichtiger Teil der Freizeitgestaltung: Welche Auswirkungen hat das auf unsere Städte? Wie lässt sich das in Europa kulturell verankerte Bedürfnis nach Stadt und urbanem Leben mit den Anforderungen eines autark funktionierenden Einkaufszentrums vereinbaren? Von Andreas Ruby herrlich provokant moderiert stellte sich das Podium aus Architekten und Entwicklern beim fünften interdisziplinären Grohe-Dialog diesen Fragen und erörterte die Bedeutung der neuen Shoppingwelten als Generatoren von Stadt und Urbanität.

Matthias Pfeifer vom Büro RKW betonte gleich zu Beginn, wie wichtig die Vernetzung von Einkaufszentrum und Stadtraum sei – sensibel im Umgang mit dem Maßstab und als Bestandteil der Innenstadt. Seine These: Wenn der Handel sich entfernt, leidet zwangsläufig die Urbanität.

Auf die Frage nach der Maßstäblichkeit, die besonders für mittelgroße Städte fatale Auswirkungen haben könne, wandte Andreas Fuchs, Projektleiter bei der ECE, ein, dass Einkaufszentren eine kritische Masse vorweisen müssten, um Angebotsvielfalt gewährleisten zu können. Und die werde heute von den Kunden gefordert. Die neuen Einkaufszentren reagierten darauf, indem sie mit ihrem Branchenmix, den gastronomischen Angeboten, geregelten Öffnungszeiten und der Vertrautheit wiederkehrender Marken für Attraktivität sorgen – was wiederum mehr Kunden und Verweildauer in der Stadt bedeute.

Und wo sehen die Architekten hier ihre Herausforderung und Vision?

Tim Edler von realities united, bekannt für experimentelle Medienfassaden, diagnostizierte eine Orientierungsschwäche der typischen Shopping-Architektur: Sie vertraue in letzter Konsequenz nicht der eigenen Suggestionskraft, was sich auch daran ablesen lasse, dass das Büro eine steigende Nachfrage nach der Vermittlung von gesellschaftlichen und kulturellen Werten verzeichne. Für Edler spiegelt sich darin die Kluft zwischen der städtebaulichen und strukturellen Führungsfunktion innerstädtischer Einkaufskomplexe auf der einen Seite und dem Fehlen einer umfassenden, belastbaren gesellschaftlichen Leitidee auf der anderen.

Auf den Aspekt der zunehmenden Musealisierung von Produkten und der dadurch resultierenden Aufwertung von Verkaufsräumen und deren Gestaltung wies Simon Hartmann, einer der drei Partner von HHF Architekten aus Basel, hin. Aus der eigenen Erfahrung mit dem Berliner Projekt Labels 2 berichtet er: „Der Entwicklungsprozess eines Shopping-Centers ist nicht voraussehbar“. Projekt und Entscheider stünden unter Konkurrenzdruck, der Vergleich mit anderen Städten und Standorten führe oft zur Anpassung. Er versuche, dem als Architekt mit einer individuellen Lösung entgegenzuwirken. Dennoch lässt er sich zur Frage hinreißen: „Kann man es überhaupt besser machen?“

Fazit? „Normative Weisheit verflüchtigt sich im Laufe des Planungsprozess“ resümierte Ruby – Architekten seien gefragt, zu hinterfragen und mit individuellen Lösungsansätzen zu kontern. Denn darin bestehe der Wettbewerbsvorteil im gleichförmigen Markenallerlei. Die Diskussion um die „schöne neue Einkaufswelt“ und ihr Einfluss auf städtische Qualität verlangt nach Fortsetzung.

Brita Köhler

Location

Japan Center
Taunustor 2
60311 Frankfurt am Main

Podiumsgäste

Jutta Blocher,
Blocher Blocher Partners
Tim Edler,
realities united
Andreas Fuchs,
ECE Projektmanagement
Simon Hartmann,
HHF Architekten
Matthias Pfeifer,
RKW Architektur + Städtebau